Ein Zahn erzählt eine ungewöhnliche Geschichte aus der Vergangenheit: Im paläon Forschungsmuseum in Schöningen ist ab sofort ein rund 300.000 Jahre alter Milchbackenzahn eines Berberaffen zu sehen. Gefunden wurde das nahezu vollständig erhaltene Stück nur wenige Meter von der Fundstelle der berühmten Schöninger Speere entfernt.
Zahn stammt von einem Jungtier
Der knapp einen Zentimeter große Zahn stammt von einem etwa einjährigen Berberaffen (Macaca cf. sylvanus). Besonders macht den Fund seine Lage: Er gilt als bislang nördlichster Nachweis dieser Primatenart auf dem europäischen Festland.

Besucher können das Original ab sofort im paläon sehen. Ergänzt wird die Ausstellung durch vergrößerte 3D-Drucke des Zahns. Außerdem sind Schädel und Zähne verschiedener heute lebender Makakenarten zu sehen – darunter Berberaffe, Javaneraffe, Rhesusaffe, Schopfaffe und Mohrenmakake.
Berberaffen lebten einst auch in Deutschland
Der Fund zeigt, dass Berberaffen während des Pleistozäns deutlich weiter verbreitet waren als heute. Ihr damaliges Verbreitungsgebiet reichte über Süd- und Mitteleuropa bis nach Deutschland und England.
Heute leben Berberaffen nur noch in Nordafrika und an der Südspitze Europas in Gibraltar. In Europa starben sie während der letzten Eiszeit aus. In ihrem heutigen natürlichen Verbreitungsgebiet ist die Art zudem stark vom Aussterben bedroht.

„Wir freuen uns, dass wir nun auch aktuelle Forschungsergebnisse zeitnah im paläon Forschungsmuseum präsentieren können“, sagt Dr. Mike Reich, Direktor des Staatlichen Naturhistorischen Museums. „Mit der Universität Tübingen, dem Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment und dem Grabungsteam um Dr. Jordi Serangeli besteht eine wachsende sehr gute Zusammenarbeit.“
Forschung macht den Fund öffentlich
Untersucht wurde der Zahn unter Leitung von Professor Dr. Thijs van Kolfschoten von der Universität Leiden, gemeinsam mit Dr. Jordi Serangeli von der Universität Tübingen und Ivo Verheijen vom paläon Forschungsmuseum.
Die wissenschaftlichen Ergebnisse sind inzwischen in der Fachzeitschrift „Quaternary Environments and Humans“ veröffentlicht. Der Fund steht dabei nicht nur für den Artenreichtum vergangener Zeiten, sondern erinnert auch daran, wie sich Tierarten und ihre Lebensräume im Laufe der Erdgeschichte verändert haben.
Beitragsbild: Präsentieren den 300.000 Jahre alten Berberaffen-Zahn erstmals im paläon Forschungsmuseum: (v.li.) Professor Dr. Thijs van Kolfschoten, Dr. Jordi Serangeli, Direktor Dr. Mike Reich, Bürgermeister Malte Schneider. Fotos: 3landesmuseen
