Wie hängen Bildung, Freiheit und gesellschaftliche Teilhabe zusammen? Diese Frage beschäftigt Menschen nicht erst im digitalen Zeitalter. Bei einer Konferenz im Helmstedter Juleum diskutierten Wissenschaftler und Besucher darüber, was die Ideen des Aufklärers Gotthard Friedrich Stender heute noch bedeuten.
Die Veranstaltung „STENDER CODE – Wo Aufklärung auf Innovation trifft“ fand am 21. Oktober im Rahmen eines internationalen LEADER-Kooperationsprojekts statt. Beteiligt sind Partner aus Lettland, die Lokale Aktionsgruppe „Grünes Band im Landkreis Helmstedt“ und Akteure aus der Stadt Helmstedt.
Bildung als Voraussetzung für Freiheit
Im Mittelpunkt stand Gotthard Friedrich Stender (1714–1796). Der deutschbaltische Theologe, Sprachforscher, Pädagoge und Schriftsteller wirkte sowohl in Lettland als auch in Helmstedt. Er setzte sich für Bildung ein und interessierte sich unter anderem für Experimente und die Herstellung von Globen.
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Stender lebte in einer Zeit, in der sich der gesellschaftliche Stand und damit die wirtschaftlichen Möglichkeiten nur schwer verändern ließen. Umso wichtiger war für ihn der Zugang zu Wissen. Bildung sollte Menschen neue Möglichkeiten eröffnen und gesellschaftliche Teilhabe fördern.
Wissen ist verfügbar – aber nicht für alle selbstverständlich
Bei der abschließenden Podiumsdiskussion schlugen die Teilnehmer den Bogen zur Gegenwart. Zwar ist Wissen im digitalen Zeitalter scheinbar jederzeit verfügbar. Gleichzeitig werden Bildungsdefizite bei Kindern und Jugendlichen sowie in weiteren Teilen der Gesellschaft sichtbar. Fehlendes Wissen kann Fehleinschätzungen und gesellschaftliche Polarisierung begünstigen.

Entsprechend engagiert diskutierten die Fachleute und das Publikum über die Chancen und Herausforderungen moderner Wissensgesellschaften. Der Mainzer Wissenschaftler Gerhard Lauer betonte: „An Stender zu erinnern, heißt auch immer an das angegriffene Europa zu erinnern.“
Eine abschließende Definition des „Stender Code“ gab es bewusst nicht. Das Projekt soll vielmehr den internationalen Dialog über Stenders Vermächtnis und dessen Bedeutung für die Zukunft fortsetzen.
Ausstellung im Juliusbad
Begleitend zur Konferenz wurde im Foyer des Juliusbades die Ausstellung „Baltische Bildungseinrichtungen. Orte, Akteure und Konzepte“ eröffnet. Sie zeigt die Entwicklung bedeutender Bildungsstätten für Deutschbalten, Esten und Letten vom Mittelalter bis in die Gegenwart.
Die Ausstellung ist noch bis Ende Oktober während der Öffnungszeiten des Juliusbades kostenfrei zugänglich. Weitere Informationen zum Projekt gibt es auf der Seite von Leader.
Beitragsbild: Während der Veranstaltung diskutierten die Gäste über das Vermächtnis der Aufklärung. Fotos: privat
