Kurz vor Weihnachten 2026 wird die Gärtnerei Martina Siedentopf am Friedhof in Schöningen zum letzten Mal ihre Türen schließen. Aus Altersgründen gibt die Inhaberin den Betrieb zum Samstag, den 19. Dezember, auf.
Auf 50 Jahre als Inhaberin des Betriebs in den Räumen an der Müller-Mühlenbein-Straße blickt die Schöningerin zurück. Eine arbeitsvolle, aber sehr schöne Zeit, wie sie findet.
Gerade zu Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern haben Martina Siedentopf und ihre Mitarbeitenden viel zu tun. „Sie sollten sehen, wie es hier zum Muttertag aussieht“, erzählt sie lächelnd mit Blick auf die Verkaufsräume. Der Kontakt mit den Kunden freut sie aber jeden Tag aufs neue.

Mehrere Generationen an Betreibern und Kunden
Fünf Dekaden findet die Floristin schwer zusammenzufassen. „Das geht nicht so einfach in ein paar Minuten“, sagt Siedentopf im Gespräch. Neben ihrer großen Freude an ihrem Beruf kann sie eines definitiv sagen: „Als Generationsbetrieb hat man auch Generationen an Kunden.“
Durch Geburten, Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten, Feiertagen bis hin zum Grab begleiten die Menschen hinter dem Betrieb einige Familien schon mit Blumen.
Als Generationsbetrieb hat man auch Generationen an Kunden.
Martina Siedentopf
Die enge Beziehung zu den Menschen bedeutet Siedentopf viel. Der Umgang miteinander sei anders und auch viel näher. Manche Kunden würden anrufen und sagen: „Frau Siedentopf, wie immer.“ Bei anderen müsste man nicht nachfragen, welche Blumen die Frau oder Mutter mag, weil man seit Jahren weiß, was gefällt.
Mehrgenerationenbetrieb in Schönigen
Ihre Großeltern gründeten den Betrieb vor 90 Jahren. Auch noch Siedentopfs Eltern betrieben das Unternehmen als Gärtnerei. Unter anderem Karotten konnte man dort kaufen, wie die jetzige Inhaberin berichtet.
Martina Siedentopf stand schon als Kind in der Gärtnerei, erinnert sie sich. Wo andere Kinder im Haushalt aushalfen, half sie im Betrieb. Später machte sie in Hannover eine Ausbildung zur Floristin. Danach kehrte sie aber wieder in die Heimat zurück und übernahm das Unternehmen von ihren Eltern.


Auch wenn sich der Schwerpunkt unter Martina Siedentopf mehr zur Floristik verlagerte, gehört Gartenbau immer noch zur Gärtnerei. „Lange hat meine Schwester sich um den Gartenbau gekümmert“, erzählt die Inhaberin.
Angebot und Nachfrage ändern sich mit der Zeit
Trotzdem hat sich auch die Nachfrage immer mehr zu Blumen verschoben. „Die Zeit bringt schon eine Menge Veränderungen“, sagt Siedentopf. Mitunter die Grabpflege musste das Unternehmen am Friedhof vor einigen Jahren einstellen, weil sie keine Mitarbeitenden dafür mehr hatten.
Nun ist die Inhaberin im Rentenalter und möchte aufhören. Sie habe mehrere Jahre geschaut, ob es jemand gibt, der die Gärtnerei übernehmen kann, ohne Erfolg. Deswegen hat Siedentopf den schweren Entschluss gefasst, die Gärtnerei zu schließen.
Zeit für Freunde und Familie
Auf ihren kommenden Ruhestand blickt Siedentopf deswegen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Sie freut sich darauf, genug Zeit für Freunde und Familie zu haben. Auch nicht mehr jeden Tag im Betrieb stehen zu müssen, freut sie.
Andererseits schmerzt es sie, aufhören zu müssen. Die Gärtnerei ist auch ihr Lebenswerk. Dass sie den Betrieb schließen muss, wenn sie geht, schmerzt sie um so mehr.
„Ein Nachfolger wäre ein Highlight“, sagt Siedentopf. Dieser könnte dann nicht nur die Gärtnerei, sondern auch den Gebäudekomplex übernehmen.
Beitragsbild: Die Gärtnerei Siedentopf schließt im Dezember ihre Türen. Fotos: Sophie Weinmann
