Auf dem Schöninger Friedhof gedachten mehrere Bürger den Opfern des Holocaust. Die Stolperstein AG organisierte gemeinsam mit der Stadt die Gedenkveranstaltung am Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau.
Die Veranstaltung fand am Dienstag, den 27. Januar 2026, um 11.30 Uhr am jüdischen Gedenkstein auf dem Friedhof Schöningen statt. Gut 50 Leute kamen zur Erinnerung an die vergangenen Gräueltaten zusammen. Neben Bürgern und Stadträten war auch eine Schulklasse des Gymnasiums vor Ort.
„So voll wie heute ist es noch nie gewesen“, freute sich Schöningens Bürgermeister Malte Schneider (SPD). Er eröffnete die Gedenkstunde. Ihm war wichtig, „dass wir heute ein gemeinsames Zeichen für das Erinnern setzen“.

Die Vereinten Nationen haben den Gedenktag 2005 eingeführt. Er erinnert an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau 1945 durch sowjetische Truppen. Während des Dritten Reiches ermordeten Nationalsozialisten dort rund 1,5 Millionen Juden und mehrere tausend Sinti, Roma und Polen. 2026 erinnerten die Schöninger Bürger auf dem Friedhof an ihre ermordeten jüdischen Mitbürger.
„Das ist in Mahnmal für uns alle.“
Manfred Saak von der AG Stolpersteine erinnerte während dieser Veranstaltung an das Schicksal der Familie Heinrich, die in der Niedernstraße ein Bekleidungsgeschäft hatte. Adele Heinrich wurde nach einer Zwangsaufgabe des Geschäftes in einem KZ ermordet, während der Sohn Walter über England nach Australien fliehen konnte. Die Stolpersteine, die die AG vor dem „letzten freiwillig gewählten Wohnsitz“ verlegt, sollen den Menschen vor Ort die „erdrückende Realität“ ins Gedächtnis rufen. „Das ist ein Mahnmal für uns alle“, sagte er.


Pfarrer Georg Meyer betonte in seiner kurzen Andacht, dass Friede auch Zusammenhalt und Zivilcourage bedeute. Gerade deshalb sei eine Erinnerungskultur wichtig. So könne man lernen und sicherstellen, dass solche Gräueltaten nicht noch einmal geschehen. Das beginne schon im Kleinen an, bei Ausgrenzungen und Vorurteilen und nehme auch ihn als Pfarrer nicht aus. „Mir hat jemand im Gespräch gesagt: Ein Pfarrer darf nicht politisch sein. Ich sage: Doch, ich darf.“
Musikalisch unterstützt wurde die Veranstaltung von Matthias Wesche. Er sang mehrere Lieder und begleitete sich dabei auf der Gitarre. Wesche sang auf Jiddisch, eine fast tausend Jahre alte Sprache, die von jüdischen Europäern zwischen dem Elsass und Ural-Gebirge in Russland gesprochen wird. Während des 20. Jahrhunderts wurde die Sprache fast ausgelöscht, weil ein Großteil der Sprecher im Holocaust ermordet wurden.

Beitragsbild: Pfarrer Georg Meyer (rechts) sprach während der Veranstaltung neben Manfred Saak (mitte) und Malte Schneider. Fotos: Sophie Weinmann
