Die Rückholung der radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage Asse II wird sich weiter verzögern. Grund ist ein zentrales Bauprojekt: der neue Schacht Asse 5. Ohne ihn geht unter Tage nichts mehr.
Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) stellt klar: Erst wenn der Schacht samt Förderanlage fertig ist, können die eigentlichen Arbeiten zur Bergung beginnen. Maschinen, Material und Personal müssen überhaupt erst in die Tiefe gebracht werden. Damit wird der Schacht zum Dreh- und Angelpunkt des gesamten Projekts.
Ursprünglich war ein Start der Rückholung ab 2033 im Gespräch. Dieser Zeitplan ist nun überholt. Die aktuellen Planungen gehen davon aus, dass frühestens ab 2031 mit vorbereitenden Maßnahmen begonnen wird. Die Förderanlage könnte nach jetzigem Stand erst 2039 einsatzbereit sein.
„Das oberste Ziel für uns als Anlagenbetreiber ist der maximale Schutz von Mensch und Umwelt vor radioaktiver Strahlung“, sagt BGE-Geschäftsführerin Iris Graffunder. Sie betont, dass Transparenz entscheidend sei, damit die Öffentlichkeit die Situation einschätzen könne.
Die Vahlberger Asse-Aktivisten kritisieren das BGE vermehrt. Sie kritisieren die regelmäßigen Änderungen und dass hauptsächlich rund um die Schachtanlage nach Platz für ein Zwischenlager geschaut werde.
Warum es länger dauert, hat mehrere Gründe. Vor allem die Geologie macht den Planern zu schaffen. Die Bedingungen im Untergrund sind komplexer als erwartet. Auch Verzögerungen beim Erwerb von Grundstücken für den Schachtstandort haben Zeit gekostet. Klar ist: Der Bau von Schacht Asse 5 wird technisch anspruchsvoll.
Erkundung des Schachts geht voran
Trotz der Verzögerungen hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Seit dem Rückholplan von 2020 wurden sämtliche Planungsleistungen europaweit vergeben. Vorplanungen sind abgeschlossen, Entwurfs- und Genehmigungsplanungen laufen. Parallel entwickelt die BGE spezielle Technik für die spätere Bergung der Abfälle.
Auch die Erkundung des Untergrunds ist deutlich vorangekommen. Mithilfe von 3D-Seismik entsteht ein immer genaueres Bild der geologischen Strukturen. Zudem wurden Modelle für Grube, Deckgebirge und mögliche Auswirkungen auf die Umwelt überarbeitet. Diese Daten sind entscheidend für die Sicherheitsbewertung und Notfallplanung.
Ein wichtiger Meilenstein ist bereits erreicht: Die Raumverträglichkeitsprüfung wurde abgeschlossen. Das Ergebnis: Die Rückholung ist grundsätzlich möglich – allerdings unter bestimmten Auflagen.
Wie es weitergeht, hängt nun stark vom Fortschritt beim Schachtbau ab. Gleichzeitig arbeitet die BGE daran, den Zutritt von Salzlösungen zu kontrollieren. Denn nur wenn die Anlage stabil bleibt, kann die Rückholung überhaupt sicher umgesetzt werden.
Beitragsbild: Die Rückholung des Atommülls verzögert sich wegen des Baus des neuen Schachts immens. Foto: BGE
