Was als modernes Energieprojekt begann, entwickelte sich zu einer archäologischen Sensation: Beim Bau eines Windparks nahe Wolfenbüttel haben Fachleute einen außergewöhnlichen bronzezeitlichen Depotfund entdeckt – darunter über 150 Bernsteinperlen, teilte die Stadt mit.
Bei einer Pressekonferenz betonte Stadtbaurat Klaus Benscheidt die besondere Bedeutung der Entdeckung. „Wer Verantwortung für unsere Zukunft übernimmt, muss auch Verantwortung für die Vergangenheit tragen“, sagte er. Der Blick zurück sei den zusätzlichen Aufwand trotz Bauverzögerungen wert.

Auf einer Fläche von rund 92.780 Quadratmetern wurden zwischen 2024 und 2025 archäologische Untersuchungen durchgeführt. Insgesamt dokumentierten Experten 412 Befunde – ein beeindruckender Querschnitt durch die Siedlungsgeschichte der Region.
Mehrere tausend Jahre alte Hausgrundrisse und Keramik
Zu den ältesten Spuren zählen Hausgrundrisse der Linearbandkeramik aus dem 6. Jahrtausend vor Christus. Auch spätere Siedlungen lieferten spannende Einblicke, etwa Gruben mit ungewöhnlichen Bestattungen von Hunden sowie Keramik und Metallobjekten nach römischem Vorbild.

Ein besonderes Einzelstück: ein nahezu vollständig erhaltener Dreilagenkamm aus dem 4. oder 5. Jahrhundert nach Christus – ein seltenes Fundstück, das sonst meist nur fragmentarisch überliefert ist.
Doch der spektakulärste Fund kam beim Aushub einer Windradfläche ans Licht. In einem eng beieinanderliegenden Ensemble fanden Archäologen Schmuckstücke aus Bronze und Bernstein. Darunter Halskragen, Armspiralen und eine Kette mit mehr als 156 Perlen.
Funde aus Zeit vor Christus
Die Objekte stammen aus der Zeit zwischen 1500 und 1300 vor Christus. Experten gehen davon aus, dass es sich um eine bewusst niedergelegte Opfergabe der damaligen Elite handelt. Besonders bemerkenswert: Es ist der größte bekannte Einzelfund von bronzezeitlichem Bernstein in Niedersachsen.

Die Funde werden derzeit restauriert und wissenschaftlich untersucht – unter anderem in Zusammenarbeit mit der Technische Universität Clausthal. Schon jetzt steht fest: Der Windpark hat ein Fenster in die Vergangenheit geöffnet.
Beitragsbild: v.l. Thea Schuck NLD, Stadtbaurat Klaus Benscheidt, Claudia Schindler Stadt Wolfenbüttel, Tobias Uhlig NLD, Ulrike Lutterbeck Arcontor Projekt GmbH, Roger Fischer SAB WindTeam GmbH. Foto: Stadt Wolfenbüttel
