Sechs Aufstiege in sechs Jahren haben den TSV Schöppenstedt von der Bezirksklasse bis in die Tischtennis-Regionalliga geführt. Am Sonnabend, dem 12. September, beginnt mit der Heimbegegnung gegen den MTV Bledeln das bislang größte sportliche Abenteuer der Vereinsgeschichte. Doch auch in der vierthöchsten deutschen Spielklasse will sich der Aufsteiger nicht verstecken.

Ein beispielloser sportlicher Aufstieg
Als das von den Zwillingsbrüdern Shahid und Zhahid Abdul initiierte Projekt vor sechs Jahren begann, konnte niemand ahnen, wohin die Reise führen würde. Vor allem dank ihres kontinuierlichen Engagements hat die erste Herrenmannschaft des TSV Schöppenstedt Historisches erreicht. „Noch nie zuvor spielte eine hiesige Vereinsmannschaft in einer derartigen Liga“, sagt Tischtennis-Abteilungsleiter Thomas Föniger.
Nach dem souveränen Durchmarsch durch die Oberliga wartet nun ein deutlich stärkeres Teilnehmerfeld. Auch die Konkurrenz habe personell aufgerüstet und verfolge ambitionierte Ziele. Föniger erwartet spannende Begegnungen: „Die Besucher dürfen sich auf hochklassigen Profisport und noch spektakulärere Ballwechsel freuen.“
Obwohl die Regionalliga für den TSV Neuland ist, will sich die Mannschaft nicht nur in der neuen Spielklasse zurechtfinden, sondern von Beginn an konkurrenzfähig sein. „Wenn man in der Spitze mitmischen will, muss eigentlich sofort Vollgas gegeben werden“, betont Föniger. Der Kader wurde gezielt verstärkt. Das Ziel lautet daher selbstbewusst: „Unser Team sollte stark genug für eine vordere Platzierung sein.“
Die Tischtennis-Welt zu Gast in Schöppenstedt
Bei der Zusammenstellung der Mannschaft blickt der TSV längst über regionale und nationale Grenzen hinaus. Ein Großteil der Spieler stammt aus Polen, zudem wurden bereits Akteure aus Taiwan, Japan, Frankreich, Portugal, Tschechien und Mexiko verpflichtet. Die Kontakte entstehen überwiegend persönlich, gelegentlich auch über Agenturen oder Berater. Das Schöppenstedter Projekt hat sich inzwischen weit über die Region hinaus einen Namen gemacht. „In den entsprechenden Spielerkreisen sprechen sich unser Engagement und die gute Betreuung bei den Spielen herum“, berichtet Föniger. Mittlerweile erhalte der TSV Anfragen aus vielen Teilen Europas und anderen Regionen der Welt.

Die wachsende Aufmerksamkeit bringt jedoch nicht nur Anerkennung mit sich. Auch Missgunst habe man wahrgenommen, räumt Föniger ein: „Aber der Erfolg hat manchmal viele Neider.“ Da viele Spieler zugleich im Ausland als Profis oder Trainer tätig sind und nicht bei jeder Begegnung zur Verfügung stehen, benötigt der TSV einen großen Kader. In Schöppenstedt erhalten die Spieler lediglich für ihre tatsächlichen Einsätze eine Aufwandsentschädigung, „die aber bei Weitem nicht die Ausmaße anderer Sportarten erreicht“.
Der Erfolg hat seinen Preis
Die An- und Abreise erfolgt meist mit privaten Pkw. Vereinzelt müssen Bahnfahrten, Flugtickets oder Übernachtungen finanziert werden. Hinzu kommen Verpflegungs- und weitere Fahrtkosten. Die Auswärtsspiele führen die Mannschaft in dieser Saison teilweise bis nach Hamburg und Schleswig-Holstein. Dafür kann sie unter anderem den Vereinsbus des TSV nutzen.


Dennoch sind die finanziellen Anforderungen erheblich. Derzeit trägt das Unternehmen der Förderer und Teammanager Shahid und Zhahid Abdul die Hauptlast des Spielbetriebs. Für eine langfristige Fortführung hofft die Abteilung auf weitere Unterstützer. „Ich kann nicht vorhersehen, ob wir einen solchen Kraftakt auf lange Sicht so aufrechterhalten können“, sagt Föniger.
Vorbild und Perspektive für den Nachwuchs
Eine langfristige finanzielle Absicherung wäre nicht nur für den Fortbestand der ersten Mannschaft wichtig. Ihr Erfolg soll zugleich die gesamte Tischtennisabteilung und insbesondere die Nachwuchsarbeit voranbringen. Nachwuchsspieler besuchen die Punktspiele und erleben dort unmittelbar, wie schnell, anspruchsvoll und spektakulär Tischtennis auf höchstem Niveau ist. Mittelfristig möchte sich der TSV auch als Anlaufstelle für Talente anderer Vereine etablieren.
Jeden Freitag finden in Schöppenstedt zwei Lern- und Trainingskurse des deutschland- und europaweit tätigen TT-Instituts Thomas Dick statt. Darüber hinaus sind vier weitere TSV-Mannschaften auf Bezirksebene aktiv.

Die 3. Bundesliga ist noch kein Thema
Gedanken an einen erneuten Aufstieg weist Föniger trotz der bisherigen Erfolgsserie zurück: „Heute von der 3. Bundesliga zu sprechen, ist einfach verfrüht.“ Der TSV könne zwar jeder Regionalligamannschaft gefährlich werden, doch auch die Konkurrenz verfüge über starke Spieler. Zudem werde sich an jedem Spieltag zeigen, welche Akteure tatsächlich zur Verfügung stehen. „Einen flotten Durchmarsch wird es aus meiner Sicht nicht geben.“
Die 3. Bundesliga würde den Verein zudem vor neue finanzielle und organisatorische Herausforderungen stellen. Dort dürfen Spieler nur noch für einen Verein antreten. Das würde deutlich höhere Ausgaben und weitere Reiseentfernungen bedeuten. Um diese Anforderungen bewältigen zu können, müssten die Strukturen ausgebaut und zusätzliche Sponsoren gewonnen werden.
Große Bühne bei freiem Eintritt
Vorerst richtet sich der Blick ganz auf die Regionalliga-Premiere gegen den MTV Bledeln. Eines bleibt auch in der neuen Spielklasse unverändert: Der Eintritt zu den Heimspielen ist frei. „Wir möchten den Besuchern auch in der Regionalliga kostenlosen Zugang ermöglichen – so, wie es in vielen anderen Sportarten nicht mehr üblich ist“, so Föniger.


