Büddenstedt war schon einmal Energiedorf, wird es wieder eines sein? Während eines Informationsabends stellten drei Firmen ihre Ideen vor und stellten sich den Fragen der Bürger. Am Ende der Veranstaltung war schon der Termin für eine Folgeveranstaltung fast fest.
Die 137 bereitgestellten Stühle im Büddenstedter Rathaus waren fast komplett besetzt, einige Personen standen am Ende des Raumes. Die über 140 Personen waren gekommen, um die Vorträge der drei Unternehmen zu hören, die gemeinsam ein Rechenzentrum, einen Windpark und Photovoltaikanlagen in der Nähe des Ortsteils von Helmstedt errichten möchten.
Der Ortsbürgermeister Dirk Zogbaum (SPD) und der Helmstedter Bürgermeister Wittich Schobert (CDU) begrüßten zu Beginn der Veranstaltung die interessierten Bürger. Die Politiker freuten sich über das große Interesse an dem Projekt.
Vorstellung der möglichen Pläne
Zogbaum blickte in seiner Moderation auf Büddenstedts lange Geschichte im Energiesektor zurück. „Jetzt müssen wir uns die Frage stellen: Wollen wir wieder ein Energiedorf werden?“ Das stieß im Publikum nicht auf uneingeschränkte Begeisterung. Zwischenrufe wie „Nicht so“ waren zu hören.
In kurzen Vorträgen stellten die Firmen ihre geplanten Projekte vor. Sollten die Firmen dort bauen dürfen, soll bis 2031 alles fertiggestellt sein. Als Erstes sprach das Unternehmen SAB WindTeam über ihre Pläne. Auf der Fläche nahe Büddenstedt kann sich die Firma fünf Windräder mit einer Gesamthöhe von 270 Metern vorstellen. Über die Bürgerbeteiligung würde die Kommune 0,1 Cent pro Kilowattstunde bekommen und Bürger, die in einem Radius von 2,5 Kilometer um die Windräder herum wohnen.
Auf der Fläche um die Windräder herum will die Firma Wpd Solar Photovoltaikanlagen erstellen. Von den in Plänen eingezeichneten 170 Hektar sollen nur 104 Hektar maximal bebaut werden. Zu den bestehenden Wäldern und den Stromtrassen auf der restlichen Fläche müssen Sicherheitsabstände eingehalten werden. Sobald die Anlage in Betrieb sei, würde der Betreiber Gewerbesteuer an die Kommune zahlen.
Der Plan mit dem Rechenzentrum und Speicher kommt von Ignis Energy Germany. Die Firma wäre nicht der finale Betreiber des Zentrums. Den Planern gefiel die direkte Nähe zu den beiden Stromerzeugern. Nach dem Bau würden dort circa 170 Menschen arbeiten, um den Betrieb sicherzustellen.
Fragen zu Details, Plänen und Verfahren
Die Anwesenden nutzten den anschließenden Teil intensiv für Fragen. Den Bürgern ging es dabei um die Lautstärke, Details zum Betrieb, den Plänen oder dem weiteren politischen Verfahren. Den Bürgern war wichtig, einbezogen zu werden. Mehrmals kam die Frage auf, warum es dazu keinen Bürgerentscheid gebe. Das Verfahren muss aber aus der Bevölkerung gestartet werden.
Außerdem sorgten sich einige Anwohner, dass man für Spaziergänge nicht mehr in den Lappwald kommt, weil die Wege als Teil vom Solarpark eingezäunt würden. Die Zäune an sich seien nötig, betonte Leo Grundmeier, Projektleiter Photovoltaik von Wpd. „Aber wir wollen Wege für die Menschen frei halten.“ Wo genau Zäune stehen würden, ist Teil des Bebauungsplanverfahrens.
Auf spätere Nachfragen erläuterte Marion Jäger, dass man sich für die Kühlung nicht am Lappwaldsee bedienen will. Gekühlt werden soll das Rechenzentrum mit einem geschlossenen Kühlkreislauf, für das sogenanntes Grauwasser genutzt wird. Außerdem präferieren sie den Neubau über das ehemalige Kraftwerk, weil sie in der Nähe der Stromerzeuger an eine 380- und eine 11-Kilovolt-Hochspannungsleitung angeschlossen werden könnten.
Diskussionsrunde nach Ostern
Die Experten betonten alle mehrfach, dass es sich bei den vorgestellten Plänen um Ideen handele, was maximal möglich wäre. Was zum Schluss gebaut werde, werde durch den Stadtrat beschlossen, was am Ende einer Reihe von Beschlüssen von Ausschüssen und dem Ortsrat steht. Außerdem solle es dem dort bestehenden Wald nicht an den Kragen gehen.
„Der Geräuschpegel von modernen Windkraftanlagen ist nicht null“, erklärte Dirk Staats, Geschäftsführer von SAB WindTeam auf eine Frage hin. Dennoch gebe es Grenzwerte, die die einzelnen Projekte und auch alle drei zusammen einhalten müssen.
Einige der Fragen konnten während des Termins nicht beantwortet werden, weil es noch keine konkrete Planung mit genügend Details gibt. Eine nächste Veranstaltung, bei der vorrangig diskutiert werden soll, soll laut Schobert kurz nach Ostern stattfinden. Dann beginnen auch die öffentlichen Sitzungen, in denen über die Umsetzung der Projekte gesprochen werde. Sollte der Stadtrat in Helmstedt zustimmen, würden die nötigen Planungen noch in diesem Jahr beginnen.
Beitragsbild: Nach der Veranstaltung konnten die Bürger die Unternehmen mit Fragen löchern. Foto: Marcel Wienholz.
