Am Mittwoch, den 04. Februar 2026 versammelten sich Familienmitglieder, Schüler und Bürger in Wolfenbüttel, um an 3 Standorten mit Künstler Gunter Demnig ein Zeichen zu setzen. Gemeinsam gedenken sie bei der Verlegung von acht Stolpersteinen, mit Angehörigen der Familien Pinkepank, Frankenberg und Kramer, die während der NS-Zeit beeinträchtigt, deportiert und ermordet wurden.
Die Familien und ihr Schicksal
Die ersten zwei Denkmäler wurden in der Grundstraße 16 für Henry und Alwine Pinkepank gelegt. Henry Pinkepank wurde 1933 aufgrund von regimekritischen Äußerungen verurteilt und als politischer Gefangener inhaftiert. Die Folgen trafen nicht nur ihn, sondern auch seine Familie, besonders seine Frau. Bevor die Steine verlegt wurden, hatte der Bürgermeister Wolfenbüttels Ivica Lukanic eine kurze Rede gehalten. Auch Sabine Pinkepank, Nachfahrin des Ehepaars, widmete ein paar Worte an ihre Vorfahren.
Nach der ersten Verlegung zog Künstler Gunter Demnig zu dem zweiten Standort in der Leibnizstraße 4 weiter. Dort wurde das Denkmal für das jüdische Ehepaar Hermann und Betty Frankenberg verlegt. Sie zogen 1938 zu der Familie ihrer Tochter Rita nach Wolfenbüttel. Betty verstarb in einem israelischen Krankenhaus in Hannover. Herrmann wurde nach Theresienstadt deportiert und in Treblinka ermordet. Die tragische Lebensgeschichte des Ehepaars recherchierte die Klasse 9.2 der Henriette-Breymann-Gesamtschule. Sie würdigte die Verlegung mit eigenen Texten, Geschichten über und aus dem Leben der Familie und Musikbeiträgen.
Die Steine für Emil, Marianne, Otto und Kurt Kramer wurden letztlich in den Gehweg der Breiten Herzogstraße 27 eingebracht. Emil und Marianne betrieben dort einen Friseursalon. Marianne kam ursprünglich aus einer jüdischen Familie, jedoch konvertierte sie 1916 in das Christentum. Sie galt trotzdem bei den Nationalsozialisten als „Voll-Jüdin“. Die Familie hatte aufgrund von Boykottaktionen gegen ihr Geschäft mit schwerer wirtschaftlicher Not zu kämpfen. Außerdem waren auch die Söhne Otto und Kurt von Verfolgung, Zwangsarbeit und Entrechtung betroffen. Drei 10. Klassen des Gymnasiums im Schloss erforschten die bewegende Geschichte der Kramers. Nach der Verlegung der vier Stolpersteine trugen sie eigene Beiträge vor, um an das Schicksal der Familienmitglieder zu erinnern. Letztlich bedankte sich der Enkel von Otto Kramer, Andreas Meisner, der in Begleitung seiner Familie die Verlegung begleitete, für die Anwesenheit und die Mühen der Schüler bei der Recherche.
Die Stolpersteine
Aktuell dienen 120.000 Stolpersteine als größtes dezentrales Mahnmal der Welt. Laut Künstler Gunter Demnig, der das Projekt initiiert hat, liegen diese Denkmäler in 30 europäischen Ländern und rund 1.900 in Kommunen in Deutschland.
Sie sollen an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, sowie die Sinti und Roma, politisch Verfolgte, Homosexuelle, Euthanasieopfer und Zeugen Jehovas erinnern. Die Stolpersteine werden an ihren letzten, frei gewählten Wohnorten verlegt. Dort liegen sie als Andenken an die Schicksale der Menschen erinnern, die aus ihren Nachbarschaften, Familien und Gesellschaften gerissen wurden.
Die Stolpersteinverlegung ist mehr als ein stilles Gedenken. Diese Messingtafeln dienen als Zeichen für Erinnerungskultur, Verantwortung und jede Form von Ausgrenzung und Antisemitismus. Damals und heute.
Beitragsbild: Künstler Gunter Demnig verlegt acht neue Stolpersteine in Wolfenbüttel. Fotos: Louis Künnemann




