Konflikte gehören zum Schulalltag für Grundschüler. Sei es Streit auf dem Schulhof, beim Spielen oder unter Freunden, sind Auseinandersetzungen normal für Kinder. An der Grundschule Schöppenstedt helfen dabei die Seniorpartner in School (SiS). Die Ehrenamtlichen ergänzen das bestehende Kollegium. Sie helfen Grundschulkindern dabei, Konflikte gewaltfrei und eigenständig zu lösen.
Ein Raum für gute Lösungen
Einmal pro Woche ist ein Team aus zwei Seniorpartnern an der Grundschule im Einsatz. Ihr Arbeitsplatz ist der „Raum der guten Lösungen“. Die Kinder kommen meist freiwillig, berichtet Manfred Siebenkees, Regionalleiter für den Bereich Wolfenbüttel. Manchmal schicken auch Lehrkräfte oder die Schulsozialarbeit Kinder zu ihnen. Voraussetzung für ein Gespräch ist jedoch, dass die Kinder teilnehmen möchten.
Häufig geht es um Streit unter Freunden, Beleidigungen, Missverständnisse oder die Frage, wer beim Spielen mitmachen darf. Auch persönliche Belastungen können eine Rolle spielen – etwa nach einem Umzug oder durch den Leistungsdruck in der vierten Klasse.
Die Kinder finden ihre eigene Lösung
Zu Beginn schreiben die Kinder ihre Namen und Klassen auf. Das hilft ihnen, zur Ruhe zu kommen, und zeigt, dass sie ernst genommen werden. Anschließend vereinbaren alle Gesprächsregeln: Jeder darf ausreden und seine Sicht schildern. Die Mediatoren achten darauf, dass alle Beteiligten gehört werden und sich nicht mehrere Kinder gegen eines verbünden.

„Wir sagen den Kindern nicht, was sie tun sollen“, erklärt Gudrun Winkler, die sich bei SiS um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert. „Wir führen das Gespräch so, dass sie selbst auf eine Lösung kommen.“
Eine Gefühlsskala mit Smileys hilft dabei, die Stimmung vor und nach dem Gespräch einzuschätzen. Oft entschuldigen sich die Kinder am Ende oder verlassen den Raum deutlich entspannter.
„Wir wollen den Kindern helfen, eigene Ideen zu entwickeln. Denn wenn sie selbst auf eine Lösung kommen, können sie auch wirklich dahinterstehen“, sagt Siebenkees. Die Gespräche sind grundsätzlich vertraulich. Bei Hinweisen auf Missbrauch oder Gewalt im Elternhaus müssen die Ehrenamtlichen allerdings die zuständigen Fachkräfte einbeziehen.
Ehrenamtliche für weitere Schulen gesucht
Die Mediatoren wollen Konflikte möglichst früh auffangen, bevor sie den Unterricht belasten. Gleichzeitig lernen Kinder, Auseinandersetzungen künftig selbstständig zu klären.
Doch um den Bedarf an den Schulen zu decken, braucht SiS weitere Mitstreiter. „Unser Ziel ist es zunächst, die Schulen, mit denen wir Verträge haben, ausreichend mit Teams auszustatten“, sagt Siebenkees. Dafür seien zusätzliche Ehrenamtliche nötig.
Auch Männer und Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen seien willkommen. Sie könnten die Teams bereichern und dazu beitragen, Kinder mit verschiedenen Lebensgeschichten besser zu unterstützen.
Beitragsbild: Martin Siebenkees und Gudrun Winkler engagieren sich für Seniorpartner in School. Foto: Sophie Weinmann
