Aus einer Geschichte, die von Krieg und Vertreibung geprägt war, ist eine enge Verbindung zwischen Menschen und Städten entstanden. Vom Freitag, den 16. Oktober, bis Sonntag, den 18. Oktober, haben Wolfenbüttel und das polnische Kamienna Góra das 25-jährige Bestehen ihrer Städtepartnerschaft gefeiert, wie die Stadt mitteilt. Zugleich erinnerte das Wochenende an die vor 75 Jahren übernommene Patenschaft für die Vertriebenen aus dem ehemaligen Landeshut.
Ein Zeichen für Frieden und Zusammenhalt
Die historischen Wurzeln reichen bis ins Jahr 1951 zurück. Damals übernahmen Stadt und Landkreis Wolfenbüttel die Patenschaft für die Menschen aus Landeshut.
Bürgermeister Ivica Lukanic (parteilos) erinnerte bei seiner Festrede daran, dass Frieden, Freiheit und Sicherheit angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine keine Selbstverständlichkeit seien. Die Städtepartnerschaft zeige, wie wichtig Vertrauen und Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene sind.
Literatur verbindet deutsche und polnische Geschichte
Den Auftakt der Feierlichkeiten bildete am Freitag eine Lesung im Ratssaal. Die deutsch-schlesische Schriftstellerin Monika Taubitz und der polnische Literaturwissenschaftler Edward Białek widmeten sich der schlesischen Literatur und der Lyrik des Riesengebirges.

Am Abend setzten Lukanic und sein polnischer Amtskollege Janusz Chodasewicz ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit: Gemeinsam illuminierten sie die Kamienna-Góra-Brücke in der Marktstraße.
Gedenken an Flucht und Vertreibung
Am Samstag kamen Vertreter beider Städte am Landeshuter Platz zusammen, um der Opfer von Krieg, Flucht und Vertreibung zu gedenken. Dirk Metzig, Vorsitzender des Arbeitskreises Landeshut, betonte die gemeinsame Verantwortung, die Erinnerung an die Vergangenheit wachzuhalten.


Ein vor 25 Jahren gestifteter Kubus am Platz wurde zum Jubiläum erweitert. Die Ergänzung übergab der stellvertretende Landrat Uwe Schäfer während der Gedenkveranstaltung.
Aus ehemaligen Paten wurden Freunde
Beim anschließenden Empfang im Schloss stand das Motto „Partner, Freunde“ im Mittelpunkt. Landrätin Christiana Steinbrügge erinnerte an das Versprechen von 1951: „Wir stehen an Ihrer Seite.“ Aus dieser Zusage sei über die Jahrzehnte ein enges Netz persönlicher Begegnungen entstanden.
Auch Kamienna Góras Bürgermeister Janusz Chodasewicz sprach über die schwierige gemeinsame Geschichte. Zugleich verwies er darauf, dass seine Stadt heute historische Bauwerke und Zeugnisse des deutschen Kulturerbes erhalte und restauriere. Freundschaft und gegenseitiger Respekt sollten die Zukunft bestimmen.
Die polnische Delegation trug sich ins Goldene Buch der Stadt ein. Zudem überreichte Lukanic Jubiläumsmedaillen aus Glas.









Jugendliche sollen die Partnerschaft weitertragen
Zum Abschluss feierten die Teilnehmer am Sonntag einen gemeinsamen Gottesdienst in der Kirche St. Petri. Beide Städte wollen künftig besonders den Jugendaustausch stärken und Schulen, Vereine sowie weitere Initiativen stärker miteinander vernetzen.
Ein erster Schritt war bereits im Juni erfolgt: Vertreter beider Kommunen pflanzten in Kamienna Góra gemeinsam Bäume – als Symbol für eine Freundschaft, die auch in Zukunft weiterwachsen soll.
Beitragsbild: Während der Feierlichkeiten zeigten die Gäste Teile ihrer Kultur. Fotos: Stadt Wolfenbüttel
