Wer das historische Gebäude an der Banslebener Straße in Schöppenstedt betritt, spürt schnell: Hier ist etwas anderes entstanden als eine gewöhnliche Werkstatt. Zwischen einer historischen Zapfsäule, klassischen Automobilen und modern ausgestatteten Schulungsräumen begegnen sich Vergangenheit und Gegenwart.
Thorsten und Qianru Kunz haben hier ihre gemeinsame Vision verwirklicht. Sie wollten einen Ort schaffen, an dem technisches Wissen, automobile Leidenschaft und regionale Geschichte zusammenfinden. Heute ist daraus die Zündfunke Oldtimertechnik geworden.

Eine Leidenschaft, die ein Leben begleitet
Die Begeisterung von Thorsten Kunz für Automobile begann früh. Mit gerade einmal 21 Jahren kaufte er einen schrottreifen Käfer und restaurierte ihn. Der noch heute fahrbereite Käfer startete Kunz Leidenschaft für alte Autos.
Nach seiner Ausbildung zum Kfz-Mechaniker bei Mercedes-Benz führte ihn sein beruflicher Weg zu Volkswagen. Dort beschäftigte er sich zunächst mit der Analyse von Motorproblemen. Seine Aufgabe war es, technische Fehler zu untersuchen, an denen selbst autorisierte Werkstätten scheiterten.

Trotz diverser Managementaufgaben blieb die Technik seine eigentliche Leidenschaft. „Ich wollte nie einfach nur in Rente gehen. Ich wollte etwas Neues beginnen und meine Erfahrungen weitergeben“, erzählt er Thorsten Kunz.
Von der Idee zum Schulungszentrum
Bereits fünf Jahre vor seinem Ruhestand begannen Thorsten und seine Frau Qianru Kunz mit der Planung ihres eigenen Projekts. In einer Werkstatt wollten sie ihr Wissen über alte Autos weitergeben. Auf der Suche nach einem geeigneten Standort stießen sie schließlich über eBay Kleinanzeigen auf das historische Gebäude in Schöppenstedt.

Die Geschichte des Hauses und seine industrielle Vergangenheit passten zu ihrer Idee. Nach dem Kauf wurde das Gebäude aufwendig saniert und Schritt für Schritt zu einem modernen Schulungszentrum umgebaut.
Dabei sollte der historische Charakter erhalten bleiben.
Lernen durch Anfassen statt Zuschauen
Oldtimertechnik lässt sich nicht allein aus Büchern oder Videos verstehen. Entscheidend sei die praktische Erfahrung, ist Kunz überzeugt.

Genau darauf setzt die Zündfunke Oldtimertechnik. In kleinen Gruppen arbeiten die Teilnehmer selbst an Fahrzeugen und Bauteilen. Persönliche Betreuung und praktische Übungen bilden das Fundament des Schulungskonzepts.
„Wer einmal selbst einen Vergaser zerlegt, oder ein Ventilspiel eingestellt hat, versteht die Technik ganz anders als jemand, der nur darüber gelesen hat“, sagt Kunz.
Die Seminare richten sich sowohl an Einsteiger als auch an erfahrene Oldtimerbesitzer. Ziel ist es nicht nur, Reparaturen erklären zu können, sondern die Funktionsweise historischer Fahrzeuge nachhaltig zu vermitteln.
Lernen in einer echten Werkstatt
Die Schulungen finden nicht in einem klassischen Seminarraum statt. Gelernt wird dort, wo Fahrzeugtechnik unmittelbar erlebbar wird: in der Werkstatt.

Neben einer modernen Hebebühne blieb auch ein historischer Arbeitsplatz erhalten, an dem frühere Generationen von Mechanikern gearbeitet haben.
Für Thorsten Kunz gehört außerdem ausreichend Zeit für Fragen dazu. Jeder Teilnehmer soll Arbeitsschritte selbst durchführen und technische Zusammenhänge unmittelbar nachvollziehen können.
Erfahrung aus zwei Jahrzehnten Automobilindustrie
Dass die Zündfunke Oldtimertechnik heute so professionell aufgestellt ist, ist auch Thorsten Kunz Frau Qianru Kunz zu verdanken.
Sie war insgesamt 20 Jahre im Qualitätsmanagement der Automobilindustrie tätig. Erst 17 Jahre bei Volkswagen in Shanghai, anschließend drei Jahre bei einem internationalen Automobilzulieferer. Heute verantwortet sie die Organisation des Unternehmens, koordiniert Seminare und betreut Teilnehmer.
„Unsere Aufgabe besteht nicht nur darin, Wissen zu vermitteln“, sagt sie. „Wir möchten einen Ort schaffen, an dem sich Menschen begegnen, Erfahrungen austauschen und ihre Begeisterung für klassische Automobile miteinander teilen können.“
Ein Fenster in die Vergangenheit
Bei der Sanierung des Gebäudes machte Thorsten Kunz eine unerwartete Entdeckung. Hinter später eingebauten Verkleidungen kam ein originales Fenster aus dem Jahr 1890 zum Vorschein.
Für viele wäre es lediglich ein altes Bauteil gewesen. Für Kunz erzählt es die Geschichte eines Gebäudes, das über mehr als ein Jahrhundert hinweg den technischen Wandel der Region begleitet hat.
Heute ist das restaurierte Fenster bewusst in den Ausstellungsraum integriert. Es erinnert an die Anfänge des Hauses und bildet zugleich den Ausgangspunkt für ein neues Projekt.
Geschichte sichtbar machen
Rund um das historische Fenster soll in den kommenden Jahren eine kleine Dauerausstellung zur Geschichte des Gebäudes entstehen. Das Ehepaar will dort die wechselvolle Vergangenheit des Gebäudes dokumentieren.
Dafür suchen die Kunzes historische Fotografien, Dokumente, Zeitungsberichte und persönliche Erinnerungen aus Schöppenstedt und der Region. „Viele Geschichten verschwinden, wenn niemand sie erzählt“, sagt Thorsten Kunz. „Wir möchten dazu beitragen, sie für kommende Generationen zu bewahren.“
Beitragsbild: Quianru und Thorsten Kunz betreiben Zündfunke in Schöppenstedt. Fotos: Weinmann
